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Wie gut habe ich investiert?

Rechne dich nicht reich: Wie Privatanleger die Rendite ihres Portfolios richtig berechnen

Ein fiktives Szenario: Der Nachbar prahlt mal wieder beim Grillabend, er habe „100% Gewinn“ mit seinen Aktien gemacht. Beeindruckend? Vielleicht – bis du erfährst, dass es 12 Jahre gedauert hat und er zwischendurch immer wieder teuer nachgekauft hat. Schnell wird klar: Rendite ist nicht gleich Rendite. Die Frage „Wie erfolgreich habe ich investiert?“ lässt sich eben nicht mit einem einzigen Blick aufs Depot beantworten. Du musst genau hinschauen und wissen, welche Renditekennzahl was aussagt. Denn je nachdem, wie man rechnet, kann ein Portfolio gleichzeitig als Gewinner und Verlierer dastehen. Tauchen wir ein in die Welt der Renditeberechnungen.

Wir klären, was Rendite überhaupt bedeutet (und wie sie sich von bloßem Wertzuwachs unterscheidet), wie man den Anlageerfolg objektiv misst und warum subjektives Empfinden oft trügt. Wir erklären die verschiedenen Methoden der Renditeberechnung und insbesondere den Unterschied zwischen zeitgewichteter Rendite und geldgewichteter Rendite – also zwischen der Strategie-Rendite und der Anleger-Rendite. Wir zeigen, welche Methode man wofür braucht, etwa um die eigene Performance mit einem anderen Portfolio oder einem ETF zu vergleichen. Und wir werfen einen Blick auf das Wechselspiel von Rendite und Risiko – welche Kennzahlen (Sharpe Ratio & Co.) wirklich wichtig sind. Natürlich darf die durchschnittliche Wachstumsrate (CAGR) für langfristige Vergleiche nicht fehlen, und wir überlegen, wie man die Zukunft seines Portfolios prognostizieren kann (falls überhaupt).

Was bedeutet Rendite – und was ist Wertzuwachs?

Beginnen wir mit den Grundlagen. Rendite – das klingt nach dem süßen Duft des Erfolgs. Tatsächlich ist damit ganz nüchtern der Ertrag einer Investition relativ zum eingesetzten Kapital gemeint. Meist drückt man Rendite in Prozent pro Jahr (p.a.) aus. Wertzuwachs hingegen bezeichnet den Anstieg des Anlagewerts an sich, oft in absoluter Summe oder insgesamt in Prozent, ohne zwingend eine Zeitangabe. Einfach gesagt: Wenn dein Depot von 10.000 € auf 15.000 € anwächst, beträgt der Wertzuwachs +5.000€ bzw. +50% – aber was war die Rendite? War das in einem Jahr oder in fünf? Und sind Dividenden oder Zinsen darin enthalten?

Hier lauert der erste Irrtum: Wertzuwachs ist nicht automatisch gleich Rendite. Beispiel: Du kaufst Aktien im Wert von 8.000 €. Ein Jahr später sind sie 8.500 € wert. Dein Bruttogewinn beträgt 500 €, der Wertzuwachs also +6,25 %. Das ist zugleich ungefähr Ihre Jahresrendite (6,25 % p.a.). Werden aber in diesem Jahr noch Dividenden ausgeschüttet, fließen diese in die Rendite mit ein, auch wenn sie den Kurs nicht beeinflussen. Rendite umfasst also sämtliche Erträge (Kursgewinne und Ausschüttungen) relativ zum investierten Kapital. Wertzuwachs meint oft nur die Wertsteigerung des Investments selbst. Gerade bei Aktien und ETFs unterscheidet man zwischen Kursentwicklung und Gesamtrendite inklusive Dividenden. Wer nur auf den Kontostand schaut, sieht eventuell nur den Wertzuwachs des Depots – die Rendite im Sinne einer jährlichen Effektivverzinsung kann aber ganz anders aussehen.

Noch ein Unterschied: Zeit. 50% Wertzuwachs klingen fantastisch – doch ob das eine hervorragende Rendite ist, hängt davon ab, in welchem Zeitraum sie erzielt wurden. 50 % in einem Jahr wären spektakulär; 50% in zehn Jahren entsprechen eher mageren ~4 % p.a. (Zinseszins-Effekt). Rendite macht Wertzuwächse erst vergleichbar, indem sie den Faktor Zeit berücksichtigt. So lässt sich beurteilen, ob sich eine Investition „gelohnt“ hat. Kurzum: Rendite ist der prozentuale Wertzuwachs pro Zeiteinheit (häufig jährlich) und inkludiert alle Erträge, während Wertzuwachs der absolute Zuwachs des Vermögens ist – ohne zwingende Relation zur Anlagedauer oder zum eingesetzten Kapital.

Objektiv oder subjektiv: Habe ich gut investiert – oder nur mein Geld?

Jeder Anleger will wissen: „Wie erfolgreich habe ich investiert?“ Die Betonung liegt auf ich – denn hier kommt die subjektive Komponente ins Spiel. Zwei Personen können exakt dieselbe Aktie besitzen und doch völlig unterschiedliche Renditen erzielen, je nachdem wann und wie viel sie investiert haben.

Stellen wir uns zwei Freunde vor, Anna und Ben, die beide in denselben ETF investieren. Anna steigt zu Jahresbeginn mit 10.000 € ein. Ben wartet ab und investiert seine 10.000 € erst, nachdem der ETF zwischenzeitlich um 20 % gefallen ist (kein ungewöhnliches Szenario an stürmischen Börsentagen). Ein Jahr später steht der ETF wieder beim Ausgangspunkt. Ergebnis: Annas Depotwert ist unverändert ~10.000 € (0 % Rendite für sie). Ben jedoch hat den 20 %-Abschwung genutzt: Seine 10.000 € wurden beim Einstieg zu „Schnäppchenpreisen“ angelegt und sind mit der Erholung auf ~12.500 € gestiegen – +25 % Rendite. Dabei hat der ETF selbst offiziell 0 % gemacht. Verrückt? Nein, das zeigt nur: Anlegererfolg und Anlageerfolg sind zweierlei Dinge.

Man unterscheidet hier gern scherzhaft zwischen objektiver und subjektiver Rendite. Objektiv betrachtet (ETF-Performance) ist nichts passiert, „der Markt“ hat 0 % gemacht. Subjektiv allerdings (für Ben) war es ein äußerst erfolgreiches Investment. Umgekehrt geht es natürlich auch: Schlechtes Timing führt dazu, dass die persönliche Rendite hinter der Marktrendite zurückbleibt oder gar negativ ist, obwohl der Markt insgesamt zulegte. Studien belegen diesen Effekt eindrucksvoll. So lag z.B. in den USA die Durchschnittsrendite privater Anleger über 20 Jahre bei nur etwa 2 % pro Jahr, während der S&P 500-Index im selben Zeitraum im Schnitt 8,2 % pro Jahr schaffte. Der Grund laut Experten: Viele Privatanleger kaufen und verkaufen zum falschen Zeitpunkt – sie steigen in Boomphasen ein und in Crashphasen aus („Buying high, selling low“).

Siehe dazu „Schlägst du den Markt“

Dieses Phänomen – auch bekannt als Behavior Gap – zeigt, dass man den eigenen Anlageerfolg keineswegs gleichsetzen darf mit der Performance der gewählten Investments.

Fazit bis hierher: Um Erfolg zu messen, muss man unterscheiden zwischen der Performance der Geldanlage an sich und dem Erfolg des Anlegers mit seinem tatsächlichen Ein- und Ausstiegs-Timing. Ersteres ist objektiv und vergleichbar (hätte man vom 1. Januar bis 31. Dezember im ETF X investiert, war die Rendite Y%). Letzteres ist subjektiv, individuell verschieden und hängt davon ab, wie man investiert hat. Im nächsten Abschnitt schauen wir uns an, wie man beide Sichtweisen durch unterschiedliche Berechnungsmethoden greifbar macht.

Methoden der Renditeberechnung: ein Depot, viele Zahlen

Unser Beispiel mit Anna und Ben macht deutlich, dass es verschiedene Methoden braucht, um Rendite zu berechnen – je nach Fragestellung. Tatsächlich existieren drei gängige Ansätze, die jeweils ihre Vor- und Nachteile haben:

  1. Einfache Rendite („Start-End-Vergleich“) – die simpelste Methode.
  2. Geldgewichtete Rendite (Money-Weighted Return, interner Zinsfuß) – fokus auf Anleger und Cashflows.
  3. Zeitgewichtete Rendite (Time-Weighted Return) – fokus auf Investment und Strategie.

Schauen wir sie der Reihe nach an.

Einfache Rendite – der naive Ansatz:

Die einfache Rendite berechnet sich klassisch, indem man den Gewinn ins Verhältnis zum eingesetzten Kapital setzt. Beispiel: Aus 1.000 € werden 1.200 € – das ergibt eine Rendite von +20 % (Formel: 1.200/1.000 − 1 = 0,2 bzw. 20 %).

  • Rendite Rechner

Das ist eingängig und funktioniert tadellos, solange keine Zu- oder Abflüsse während der Anlagedauer stattfinden. Genau hier liegt der Haken: In einem realen Portfolio finden meist ständig Bewegungen statt – man spart monatlich per Sparplan, kauft nach, schichtet um oder entnimmt Geld. Die einfache Methode ignoriert all das. Wenn Sie also beispielsweise Anfang des Jahres 5.000 € investiert hatten und im Laufe des Jahres weitere 5.000 € nachschießen, dann wird die simple Rechnung „Endwert minus Startkapital“ ein verzerrtes Bild liefern. Neu eingezahltes Geld hatte kürzer Zeit, Rendite zu erwirtschaften, und zieht den Gesamtwert zwar hoch, aber die prozentuale Performance deswegen runter.

Ein Zahlenbeispiel: Anfang Jahr 1 investieren Sie 5.000 €, Anfang Jahr 2 nochmals 5.000 €. Nehmen wir an, die Anlage liefert in beiden Jahren jeweils +10 % auf das jeweils investierte Kapital. Ende Jahr 2 haben Sie etwa 12.050 € im Depot. Der einfache Renditevergleich würde sagen: aus insgesamt 10.000 € wurden 12.050 € – also +20,5 % Rendite über 2 Jahre, etwa 10 % pro Jahr. In Wahrheit hat Ihr Kapital in Jahr 1 10 % gebracht und Ihr in Jahr 2 investiertes Kapital ebenfalls 10 % – die Performance war also konstant gut. Die einfache Methode hat hier noch halbwegs funktioniert. Aber stellen Sie sich vor, die Renditen in Jahr 1 und Jahr 2 wären unterschiedlich gewesen – dann würde die simple Durchschnittsbildung schnell in die Irre führen. Tatsächlich ist der arithmetische Mittelwert von Jahresrenditen meist unbrauchbar, da er den Zinseszinseffekt ignoriert und dadurch bei schwankenden Renditen zu hoch ausfällt. Das geometrische Mittel (sprich der CAGR, dazu später mehr) wäre korrekt. Kurzum, die einfache Rendite-Betrachtung stößt in der Praxis schnell an Grenzen. Man braucht Methoden, die mit Zwischenzahlungen umgehen können.

Geldgewichtete Rendite (MWR/IRR) – Was habe ich verdient?

Die geldgewichtete Rendite – auf Englisch money-weighted rate of return – legt den Fokus auf den Investor und dessen Zahlungsströme. Sie beantwortet die Frage: „Welche konstante Jahresrendite hätte ich haben müssen, um mit meinen Ein- und Auszahlungen auf den heutigen Endwert zu kommen?“ Mathematisch entspricht das dem Konzept des internen Zinsfußes (Internal Rate of Return, IRR). Praktisch läuft es darauf hinaus, dass Zeitpunkt und Höhe aller Ein- und Auszahlungen in die Berechnung einfließen. Man überlegt sich: Ich habe z.B. 5.000 € ein Jahr lang investiert, weitere 5.000 € aber nur ein halbes Jahr – welche einheitliche Rendite pro Jahr ergibt denselben Endwert? Im Grunde zwingt man die Cashflows und den Endwert in eine Zinseszins-Formel und löst nach dem unbekannten Zins (der Rendite) auf. Meist macht das ein Computer mit Näherungsverfahren, außer in einfachen Fällen.

Was bringt das? Diese Kennzahl spiegelt exakt Ihre persönliche Anlegerrendite wider. Also: „Wie gut war meine Geldanlage für mich, unter Berücksichtigung meines individuellen Verhaltens?“ Im Beispiel von Anna und Ben würde Annas geldgewichtete Rendite ~0 % betragen, Bens deutlich positiv. Die MWR berücksichtigt explizit Markttiming: Investierst du mehr Geld vor einer Aufwärtsphase, schlägt sich das in einer hohen MWR nieder. Pumpst du Geld kurz vor einem Crash ins Depot, wird die MWR grausam niedrig ausfallen. Ihr Handeln „wird bestraft oder belohnt“ – daher sagt diese Kennzahl viel darüber aus, wie geschickt oder ungeschickt du investiert hast.

Wichtig: Die geldgewichtete Rendite ist individuell. Zwei Anleger mit derselben Strategie können, wie gezeigt, unterschiedliche MWRs haben. Deshalb eignet sie sich nicht, um verschiedene Anleger objektiv zu vergleichen – dafür haben ja alle unterschiedliche Cashflows. Ebenso wenig taugt sie zum Vergleich mit einem Index (dazu später mehr). Sie ist vielmehr ein Rückspiegel: Habe ich persönlich meine Chancen genutzt? Oder hätte ich besser einfach das Geld liegen lassen?

Man kann mit der MWR auch geschickt manipulieren: Ein Fondsmanager könnte kurz vor Stichtag künstlich den Fonds verkleinern (Kapital an Anleger auszahlen) oder vergrößern, um die ausgewiesene MWR zu schönen – deshalb nutzt man in der Branche meist andere Maße. MWR ist aber z.B. Standard bei Private-Equity-Fonds oder Immobilienfonds, wo der Manager die Kapitalabrufe und -rückflüsse steuert. Dort macht es Sinn, die Leistung mittels IRR auszuweisen. Für den normalen Privatanleger ist die MWR eine nützliche Größe, um die persönliche Bilanz zu ziehen. Viele Portfolio-Tools (etwa Excel mit der Funktion XIRR) können diese Kennzahl berechnen. Sie werden überrascht sein: Ihre gefühlte Rendite („mein Depot ist im Plus!“) kann erheblich von der geldgewichteten Rendite abweichen. Gerade wer regelmäßig in fallenden Marktphasen verkauft oder in Haussephasen kauft, wird feststellen, dass am Ende vielleicht das Depot ein Plus ausweist, die persönliche Rendite aber negativ ist – oder umgekehrt.

Ein Beispiel aus dem echten Leben: Ein Robo-Advisor berichtet, dass bei einem Kunden die zeitgewichtete Rendite positiv, die geldgewichtete jedoch negativ war – sprich, die Strategie war an sich erfolgreich, aber der Anleger hat es geschafft, durch ungeschicktes Timing trotzdem Geld zu verlieren! Solche Fälle sind gar nicht selten. Umgekehrt können clevere Einzahlungen die persönliche Rendite steigern.

Merke: Die geldgewichtete Rendite (IRR) misst den „Erfolg des Anlegers“, inklusive Timing-Effekt. Sie ist perfekt, um Ihre persönliche Anlagerendite zu ermitteln – aber mit Vorsicht zu genießen, wenn es um Vergleiche geht. Denn sie beantwortet eine sehr individuelle Frage.

Zeitgewichtete Rendite (TWR) – Wie gut war die Anlage wirklich?

Kommen wir zur zeitgewichteten Rendite. Sie ist sozusagen das Gegenstück zur MWR: Hier interessieren Ein- und Auszahlungen nicht. Die TWR fragt: „Wie hätte sich 1 € entwickelt, der die ganze Zeit investiert war?“ – unabhängig davon, wann zusätzliches Geld kam oder entnommen wurde. Damit misst sie den Erfolg der Strategie oder des Investments an sich, losgelöst vom Einfluss des Anlegers. Praktisch berechnet man die TWR, indem man die gesamte Betrachtungsperiode in Teilperioden aufteilt jedes Mal, wenn es einen Cashflow gab. Für jede Teilperiode ermittelt man die einfache Rendite (als wäre zwischen Ein- und Auszahlung nichts passiert) und verkettet diese Teilergebnisse multiplikativ. Dadurch erhält man am Ende die Gesamtperformance ohne Einfluss der Mittelbewegungen.

Ein Beispiel: Ihr Depot steht bei 10.000 €. Zur Mitte des Jahres zahlen Sie 5.000 € ein (also +50 % Kapital). Nehmen wir an, bis zur Einzahlung lag die Performance bei -10 %, danach (auf den neuen Gesamtbetrag) bei +20 % bis Jahresende. Die TWR berechnet man so: Erster Teil: 10.000 → 9.000 € = -10 %. Zweiter Teil: 14.000 € (weil 9.000 € + 5.000 € Einzahlung) → 16.800 € = +20 %. Jetzt werden die Renditefaktoren multipliziert: (1 – 0,1) × (1 + 0,2) – 1 = 0,08 bzw. +8 % zeitgewichtete Jahresrendite. Diese 8 % reflektieren die wahre Portfolioperformance, denn das Zwischenergebnis ist nicht verzerrt durch die Einzahlung. Hätten wir stattdessen einfach Start- zu Endwert gerechnet (10k → 16,8k = +68 %), käme etwas völlig Unsinniges heraus – man würde fälschlich annehmen, das Portfolio habe 68 % Rendite gemacht, dabei waren es großteils die neuen 5.000 €, die eingezahlt wurden.

Die TWR ist etwas aufwändiger zu rechnen, aber für Profis die Kennzahl der Wahl, um Investments vergleichbar zu machen. Warum? Weil Sie damit z.B. die Performance Ihres Portfolios mit einem Benchmark-Index fair gegenüberstellen können. Ein Index oder ETF hat ja keine Ein- und Auszahlungen – er veröffentlicht eine „reine“ Wertentwicklung. Nur mit TWR können Sie Ihre eigene Depot-Performance davon unbeeinflusst vergleichen. TWR gilt deshalb als Branchenstandard bei Investmentfonds, Vermögensverwaltern und Robo-Advisors.

Man kann sich merken: TWR misst den Anlageerfolg der Strategie, MWR den Anlageerfolg des Anlegers. Oder anders formuliert: „Die zeitgewichtete Rendite misst den Erfolg einer Strategie, unabhängig davon, wann und wie viel Geld investiert war. Die geldgewichtete Rendite misst die Anlegerrendite“. Beide können – wie oben gezeigt – erheblich voneinander abweichen. Doch beide liefern wertvolle Informationen: Die TWR zeigt Ihnen, wie gut Ihre Auswahl und Allokation funktionierte (objektiv betrachtet). Die MWR zeigt Ihnen, wie geschickt Sie agiert haben (subjektiv für Ihren Geldbeutel). Wenn du beispielsweise wissen möchtest, ob dein Depot besser lief als ein Weltaktien-ETF, dann musst du zwingend die TWR nehmen – nur so stellst du „Äpfel mit Äpfeln“ gegenüber. Hat dein Depot etwa 7 % TWR im Jahr gebracht und der MSCI-World-ETF 5 %, dann haben deine Investments besser performt als der Markt. Ob du persönlich auch 7 % verdient hast, oder vielleicht mehr oder weniger, steht auf einem anderen Blatt – das wäre dann die MWR.

Zusammengefasst: Zeitgewichtete Rendite eliminiert den Einfluss von Zu- und Abflüssen und eignet sich daher bestens für Vergleiche (zwischen Fonds, Portfolios, Benchmarks). Geldgewichtete Rendite berücksichtigt das Timing und beantwortet die Frage, was dein Geld tatsächlich erwirtschaftet hat. Beide Methoden sind in der Praxis wichtig. Gute Portfolio-Reports (z.B. von Robo-Advisors oder Tools) weisen oft beide aus – so kann man als Anleger sowohl die Strategieleistung als auch die eigene Beitragsleistung beurteilen.

Bevor wir uns dem Thema Risiko zuwenden, noch ein Wort zur Herausforderung bei der Renditeberechnung: Nicht immer liegen sauber tägliche Bewertungsdaten vor, vor allem wenn das Portfolio mehrere Einzelwerte enthält, die unterschiedlich handeln. Professionelle Tools behelfen sich hier, indem sie z.B. fehlende Kurse mit dem letzten verfügbaren Preis auffüllen (Feiertage, Wochenenden => 0 % Veränderung) und bei inkompletten Datenreihen eine dynamische Gewichtung vornehmen. Das heißt, wenn ein Wertpapier im Portfolio erst später startet oder zeitweise keine Kurse liefert, wird sein Anteil für die Berechnung temporär auf die anderen Werte umgelegt. So stellt man sicher, dass die Portfolio-TWR stets die tatsächliche Performance der aktiven Komponenten widerspiegelt. Ein Beispiel: Ein Musterportfolio mit 50 % Aktie A und 50 % Aktie B – solange B noch nicht existiert (oder keine Daten hat), verhält sich das Portfolio zu 100 % wie A. Erst ab dem Zeitpunkt, wo B „aktiv“ ist, fließen beide je 50 % in die Rendite ein. Solche technischen Feinheiten machen die Berechnung realitätsnah, sprengen aber fast den Rahmen dieses Artikels. Aber genau so werden die Berechnung hier durchgeführt.

Rendite und Risiko: Vom Tanz auf der Rasierklinge

Rendite ist die eine Seite der Medaille, Risiko die andere. Hohe Renditen gibt es nicht ohne Risiken – no free lunch, wie der Amerikaner sagt. Deshalb sollte jede Renditebetrachtung auch die Schwankungen und Risiken berücksichtigen, die eingegangen wurden, um diese Rendite zu erzielen. Ein Portfolio, das 10 % Rendite bei geringen Ausschlägen erzielt, ist viel besser als eines, das mit wilden Zickzack-Kursen 10 % erreicht. Doch wie macht man das messbar? Hier kommen ein paar wichtige Kennzahlen ins Spiel, die Rendite und Risiko ins Verhältnis setzen.

  1. Volatilität (Standardabweichung): Sie misst die Streuung der Renditen. Einfach gesagt, wie sehr zittert das Portfolio um seinen Mittelwert? Ein Depot mit Jahresrenditen von +5%, +6%, +4%, +5% ist sehr stabil (niedrige Volatilität); eines mit +20%, -10%, +15%, -8% schwankt stark (hohe Volatilität). Üblich ist die Angabe der Volatilität auf Jahresbasis in Prozent. Sie gibt einen Anhaltspunkt, was für Schwankungsbreiten normal sind. Beispiel: 10 % Volatilität p.a. heißt, die jährliche Rendite liegt statistisch meistens in einer Spanne von ±10 %-Punkten um den Durchschnitt. Volatilität selbst ist kein „gut“ oder „schlecht“, aber ein Maß für das eingegangene Risiko.
  2. Sharpe Ratio: Benannt nach Nobelpreisträger William F. Sharpe ist sie die vielleicht bekannteste risikoadjustierte Kennzahl. Sie beantwortet die Frage: „Wie viel Überschuss-Rendite habe ich pro Einheit Risiko erhalten?“. Dazu berechnet man die durchschnittliche Rendite des Investments über den Zeitraum, zieht einen risikofreien Zins ab (z.B. für deutsche Staatsanleihen höchster Bonität) und teilt das Ergebnis durch die Volatilität der Rendite. In Formel ausgedrückt: Sharpe Ratio = (Rendite – Risikofrei)/Volatilität. In der Praxis wird oft vereinfacht und der risikofreie Zins zu null gesetzt – so auch im aktuellen easyPortfolio-Tool, wo man also effektiv Rendite/Volatilität rechnet. Interpretation: Ein Wert über 1 gilt als sehr gut; <0 bedeutet, man hätte selbst mit risikofreien Anlagen besser abgeschnitten. Die Sharpe Ratio ermöglicht den Vergleich von Investments mit unterschiedlichem Risiko: Ein Portfolio mit 8 % Rendite bei 8 % Volatilität (Sharpe ~1) ist in gewisser Weise „gleich gut“ wie eins mit 4 % Rendite bei 4 % Volatilität (Sharpe ~1) – beide liefern pro Risikoeinheit die gleiche „Beute“. Je höher die Sharpe Ratio, desto besser wurde das Risiko belohnt. Ein berühmter Spruch in der Finanzwelt: „Rendite ist interessant, aber Risk-Adjusted Return ist entscheidend.“ Denn wer will schon 15 % Rendite, wenn er dafür russisches Roulette spielen muss?
  3. Maximaler Drawdown: Eine etwas anschaulichere Risikokennzahl ist der Max Drawdown, also der maximale Verlust vom Höchststand. Er zeigt, wie tief ein Portfolio zwischendurch im schlimmsten Fall gefallen ist. Beispiel: Start bei 100, rauf auf 120, dann runter auf 80 – das wäre ein Drawdown von -33 % vom Gipfel. Diese Kennzahl spricht vielen Anlegern aus der Seele: Sie drückt das „Bauchgefühl“ in Zahlen aus – wie viel konnte ich maximal verlieren, bevor es wieder bergauf ging? Ein Portfolio mit geringem Drawdown schont die Nerven. Auch wenn zwei Depots am Ende die gleiche Rendite haben, ist das mit dem kleineren zwischenzeitlichen Absturz das angenehmere. In easyPortfolio wird der Max Drawdown ebenfalls automatisch für jede Performance-Zeitreihe berechnet.
  4. Beta: Wer wissen will, wie stark sein Investment mit dem Gesamtmarkt mitschwingt, schaut auf das Beta. Dieses misst die empirische Korrelation und Steigungsrate zwischen den Renditen des Investments und eines Vergleichsmarkts (Benchmark). Ein Beta von 1 bedeutet, das Investment macht die Marktbewegungen 1:1 mit. Beta > 1 heißt, es schlägt stärker aus als der Markt (mehr Risiko und Chance, z.B. Tech-Aktien), Beta < 1 bedeutet, es schwankt weniger als der Markt (z.B. defensive Aktien). Beta = 0 würde heißen, es gibt gar keinen Zusammenhang, <0 bedeutet gegenläufige Bewegung (letzteres selten, vielleicht Gold vs. Aktienmarkt in manchen Phasen). Beta hilft zu verstehen, ob eine Überrendite vielleicht nur daher rührt, dass man mehr Risiko als der Markt genommen hat. Wenn Ihr Portfolio ein Beta von 1,2 hat und genauso performt hat wie der Index, war das eigentlich schlechter, als wenn es ein Beta von 0,8 gehabt hätte – denn Sie haben mehr geschwitzt für keinen Mehrertrag.
  5. Tracking Error: Diese Kennzahl ist für aktive Anleger interessant, die gegen einen Benchmark antreten. Der Tracking Error misst die Streuung der Differenzrenditen zwischen Portfolio und Benchmark. Er sagt also, wie „weit weg“ Ihr Ergebnis typischerweise vom Markt war. Ein niedriger Tracking Error bedeutet, Sie kleben eng am Index (typisch für passive Indexfonds). Ein hoher Tracking Error heißt, Sie schlagen eigene Wege ein – die Performance weicht stark ab, im Guten wie im Schlechten. Fondsmanager verwenden den Tracking Error, um zu zeigen, ob sie tatsächlich aktiv sind oder doch nur heimlich den Index nachbilden. In Kombination mit der relativen Rendite zum Index kann man einschätzen, ob das „Anderssein“ Erfolg hatte.

Natürlich gibt es noch etliche weitere Kennzahlen (Treynor Ratio, Sortino Ratio, Information Ratio…), aber die oben genannten sind die gängigsten, um Risiko und Rendite zusammenzuführen. Wichtig für Privatanleger: Behalten Sie neben der reinen Rendite immer auch das Risiko im Blick. Zwei Depots mit gleicher Rendite, aber unterschiedlichen Risiken, sind eben nicht gleich gut. Gerade in langen Börsenphasen mit wenig Volatilität neigt man dazu, Risiko zu unterschätzen – Kennzahlen wie Sharpe oder Max Drawdown schaffen hier Bewusstsein.

Ein Beispiel: Der berühmte Sharpe Ratio-Vergleich zwischen Fonds zeigt oft, dass scheinbar langweilige, breit gestreute ETFs eine ähnlich gute oder bessere Sharpe Ratio haben wie hippe Tech-Portfolios – einfach weil erstere zwar weniger Rendite, aber auch deutlich weniger Risiko aufweisen. Für den mündigen Anleger gehört es dazu, die eigenen Renditen immer im Kontext des eingegangenen Zitterns zu sehen.

Langfristiger Erfolg in Zahlen: CAGR und Co.

Wenn man über mehrere Jahre investiert, möchte man häufig wissen: „Wie groß war meine durchschnittliche Jahresrendite über die Zeit?“ Hier kommt die Kennzahl CAGR ins Spiel – Compound Annual Growth Rate, zu Deutsch oft durchschnittliche jährliche Wachstumsrate genannt. Sie ist im Prinzip nichts anderes als das geometrische Mittel der jährlichen Renditen. Man berechnet den CAGR, indem man den Startwert und Endwert einer Periode hernimmt und annimmt, dazwischen hätte es einen konstanten Zins gegeben. Mathematisch:

, wobei n die Anzahl der Jahre ist. Klingt technisch, aber ein Beispiel macht’s klar: Aus 10.000 € wurden in 5 Jahren 15.000 €. Die Gesamtperformance ist +50 %. Die durchschnittliche jährliche Rendite (CAGR) ist demnach

also ~8,4 % p.a. Über fünf Jahre mit Zinseszins ergeben 8,4 % pro Jahr eben in Summe ~50 %. Diese annualisierte Rendite ist immens hilfreich, um verschiedene Zeiträume oder Anlagen miteinander zu vergleichen. Ein anderer Anleger hatte vielleicht aus 5.000 € in 5 Jahren 7.500 € gemacht – das sind ~11,8 % p.a. CAGR, also besser, obwohl sein absoluter Zuwachs (+2.500 €) geringer aussieht.

Wichtig: CAGR ≠ arithmetischer Durchschnitt. Wegen des Zinseszinseffekts ist der CAGR stets niedriger als der einfache Mittelwert der Jahresrenditen (außer es gab in jedem Jahr exakt die gleiche Rendite). Ein Beispiel hatten wir oben bei der SAP-Aktie gesehen: Die jährlichen Veränderungen lagen zwischen +37,6 % und -9,7 %. Der arithmetische Durchschnitt dieser fünf Jahresrenditen war ~9,8 %, suggeriert also beinahe zweistellige jährliche Gewinne. Der tatsächliche CAGR über die 5 Jahre lag jedoch bei nur 8,5 %, weil Verluste die vorherigen Gewinne bremsen. Diese Diskrepanz zeigt: Für langfristige Wachstumsraten immer den CAGR benutzen, nicht einfach die Jahresrenditen addieren und teilen. Sonst rechnet man sich die Rendite zu rosig.

Neben dem CAGR wird oft auch die Gesamtrendite über den ganzen Zeitraum angegeben (z.B. „+150 % in 10 Jahren“ – was eben ~9,6 % p.a. entspricht). Beide Angaben – totaler Wertzuwachs und jährliche Rendite – zusammen vermitteln ein gutes Bild. Viele Finanzportale und -reports indexieren übrigens die Performance auf 100 am Start (oder 1000, egal). Wenn dein Portfolio also von 100 auf 200 Punkte steigt, weißt du: +100 % Gesamtperformance. Und per CAGR kannst du ausrechnen, was das pro Jahr bedeutet.

Für deine Finanzplanung ist der CAGR unerlässlich: Er sagt dir, mit welchem Mittelwert du in die Zukunft rechnen kannst – selbstverständlich unter dem Vorbehalt, dass die Zukunft ungefähr so läuft wie die Vergangenheit (was keine Garantie ist!). Damit sind wir beim nächsten Thema.

Der Blick in die Glaskugel: Prognose der Portfolio-Entwicklung

Kann man die Rendite der Zukunft vorhersagen? Leider nein – zumindest nicht zuverlässig. Sonst wären wir alle reich. Aber man kann natürlich Hochrechnungen anstellen und Szenarien durchspielen. Typischerweise nutzt man dabei historische Renditen oder Annahmen über zukünftige Durchschnittsrenditen, um abzuschätzen, wohin sich ein Portfolio entwickeln könnte. Viele Bankberater und Online-Rechner arbeiten mit solchen Renditeprognosen: „Wenn Sie 20 Jahre lang X € pro Monat einzahlen und dabei Y % Rendite p.a. erzielen, dann haben Sie am Ende Summe Z €.“ Das ist im Grunde Zinseszinsrechnung, angewandt auf regelmäßige Sparpläne. Man bekommt so ein Gefühl, was realistischerweise drin sein könnte. Zum Beispiel: Wer 30 Jahre lang monatlich 200 € investiert und 5 % Rendite p.a. erzielt, der wird ca. 163.000 € Endvermögen haben (davon ~90k eigene Einzahlungen, ~73k Erträge). Bei 8 % Rendite p.a. wären es schon ~300.000 € – man sieht, Renditeprognosen sind extrem machtvoll, aber auch sensitiv: Kleine Änderungen der Annahme ergeben drastisch unterschiedliche Ergebnisse.

Nun wissen wir alle: Die Börse läuft nie schön gleichmäßig mit 5 % jedes Jahr. Es gibt Boom und Crash. Daher sind moderne Ansätze zur Prognose sog. Monte-Carlo-Simulationen. Dabei wird mithilfe von Zufallsprozessen (basierend auf historischer Volatilität und Korrelationen) das Auf und Ab der Kurse simuliert – und das gleich tausendfach. Am Ende erhält man eine Verteilung möglicher Endwerte statt einer einzigen Zahl. Beispielsweise könnte eine Monte-Carlo-Simulation ergeben: Nach 20 Jahren monatlich 200 € sparen bei einem Portfolio mit erwarteten 5 % Rendite und 10 % Volatilität liegt das Endvermögen mit 95 % Wahrscheinlichkeit zwischen 100k und 300k €. Solche Prognosen zeigen eindrücklich, wie unsicher Ergebnisse sein können, selbst wenn die Durchschnittsrendite stimmt. In Fachkreisen sagt man: „Forecasting is difficult, especially about the future.“ – mit einem Augenzwinkern, denn es ist natürlich unmöglich, genaue Vorhersagen zu treffen.

Was man aber tun kann: Szenario-Analysen. Beispielsweise eine optimistische Projektion (Rendite angenommen 8 % p.a.), eine pessimistische (2 % p.a.) und vielleicht eine mittlere (5 %). So bekommt man ein Gefühl für die Bandbreite. Außerdem kann man überlegen, wie sich bestimmte Annahmen auswirken: Was, wenn Inflation höher wird? Was, wenn ich meine Sparrate steigere? So eine Planrechnung ersetzt keine Glaskugel, aber sie hilft bei Anlageentscheidungen (z.B. wie viel Risiko man eingehen will, um ein bestimmtes Ziel zu erreichen).

Auch große Vermögensverwalter wie Vanguard veröffentlichen regelmäßig Kapitalmarkterwartungen. Für das kommende Jahrzehnt liegen die durchschnittlichen Renditeerwartungen für globale Aktienmärkte z.B. im mittleren einstelligen Prozentbereich – deutlich unter den zweistelligen Zuwächsen der Vergangenheit. Solche Prognosen sind mit Vorsicht zu genießen, stimmen aber demütig: Wenn man in seinen Planungen mit 7 %+ X rechnet, könnte man enttäuscht werden. Ein guter Rat lautet daher: Konservativ planen, Überraschungen nach oben gern mitnehmen. Und immer einkalkulieren, dass Risiko besteht: In manchen Dekaden (siehe 2000–2010) können Aktienmärkte trotz aller historische Durchschnittswerte auch mal null Rendite liefern.

Zusammengefasst: Prognosen Ihrer Portfoliorendite sind nützliche Werkzeuge für die Finanzplanung, aber sie sind unverbindliche Modellrechnungen. Nutzen Sie Durchschnittsrenditen (CAGR) aus der Vergangenheit als grobe Richtschnur, aber achten Sie auch auf mögliche Abweichungen. Monte-Carlo-Simulationen oder Szenarien können die Spannweite möglicher Ergebnisse aufzeigen und vor allzu großer Sicherheit warnen. Die Zukunft bleibt offen – Flexibilität und regelmäßiges Überprüfen der Annahmen gehören dazu.

Was machen die Profis? Fondsmanager und Benchmark-Vergleiche

In der Welt der professionellen Geldanlage gibt es genaue Standards, wie Rendite zu berechnen und zu reporten ist. Fondsmanager wollen ihre Leistung natürlich im besten Licht präsentieren – aber eben ohne sich dem Vorwurf der Irreführung auszusetzen. Daher hat die Branche (vorangetrieben vom CFA Institute) Leitlinien namens GIPS (Global Investment Performance Standards) entwickelt. Darin ist u.a. festgelegt, dass Fonds ihre Performance zeitgewichtet ausweisen sollen, sofern die Fondsmanager keinen Einfluss auf die Mittelzu- oder -abflüsse haben. Für klassische Investmentfonds, bei denen die Anleger frei Anteile kaufen/verkaufen können, gilt also der TWR-Standard – schließlich soll die Performance die Auswahl- und Allokationsfähigkeit des Managers widerspiegeln, nicht das Timing der Anleger.

Anders sieht es aus, wenn ein Manager die Cashflows kontrolliert, wie bei geschlossenen Fonds oder Private Equity: Dort sind Ein- und Auszahlungen Teil der Strategie (Kapitalabrufe, Exits etc.), und folgerichtig nutzt man hier oft die geldgewichtete Rendite (IRR), um die Performance zu messen. Ein Private-Equity-Fonds wirbt z.B. mit einem IRR von 15 % p.a. – das ist die Rendite, die die Investoren auf ihr gebundenes Kapital erzielt haben, inklusive aller Cashflows.

Für dich als Privatanleger heißt das: Wenn du die Performance aktiver Fonds beurteilen willst, wirst du in den Factsheets in der Regel Zeitgewichtete Renditen (1 Jahr, 3 Jahre p.a., 5 Jahre p.a. etc.) finden. Diese lassen sich gut mit Benchmarks vergleichen. Achte aber darauf, ob Brutto- oder Nettowerte angegeben sind (meist nach Kosten, aber vor Steuern). Fondsmanager vergleichen sich ständig mit Indizes – und verwenden dafür natürlich TWR, weil ein Index keine Einzahlungen „sieht“.

Ein interessantes Konzept in diesem Zusammenhang ist die Benchmark-Rendite für dein Portfolio. Hast du dich schon mal gefragt: „Was wäre gewesen, wenn ich einfach alles in einen MSCI World ETF gesteckt hätte?“ Man kann die Performance eines solchen hypothetischen Vergleichsportfolios mit denselben Methoden berechnen. Oft machen Vermögensverwalter das: Sie stellen der Kunden-TWR die TWR eines passenden Benchmarks gegenüber. So sieht man schwarz auf weiß, ob die aktive Strategie Mehrwert brachte. Meist schneidet hier der Marktindex ziemlich gut ab – kein Wunder, viele Studien (klassisch die von Brinson et al.) zeigen, dass die Asset-Allokation und die generelle Marktentwicklung den Löwenanteil des Anlageerfolgs ausmachen. In Brinsons berühmter Studie erklärten die Gewichtung der Anlageklassen ~94 % der Rendite-Varianz zwischen verschiedenen Pensionsfonds – stock picking und market timing spielten nur eine kleine Rolle. Die Botschaft für Privatanleger: Es ist wichtiger, investiert zu sein und breit zu streuen, als den perfekten Kaufzeitpunkt oder die Wunderaktie zu erwischen. Entsprechend nutzen Fondsmanager TWR, um genau diesen „policy return“ (Politikrendite durch Allokation) sauber zu messen.

Ebenfalls Standard ist es, Performance immer zusammen mit Risiko zu betrachten – siehe Sharpe Ratio, Information Ratio etc. Ein Fonds, der den Index schlägt, aber mit doppelt so hoher Volatilität, würde vom Profi keineswegs als „besser“ eingestuft. Institutionelle Anleger fragen: „Wurde die Überrendite durch entsprechend höhere Risiken erkauft oder durch echte Mehrleistung?“ Daher rühren Kennzahlen wie die Information Ratio, welche die Überschussrendite ins Verhältnis zum Tracking Error setzt.

Zusammengefasst machen Profis also Folgendes: Zeitgewichtete Renditen für die objektive Strategie-Performance (insb. für alles, was mit frei wählbaren Ein-/Auszahlungen der Anleger zu tun hat), geldgewichtete Renditen dort, wo Cashflows Teil des Plans sind (illiquide Anlagen). Immer in Kontrast zu passenden Benchmarks, um die Leistung einzuordnen. Und alles garniert mit Risikokennzahlen, um die Qualität der Rendite abzuschätzen. Das klingt vielleicht trocken, aber es schützt davor, sich von hohen Renditezahlen blenden zu lassen, die eventuell durch Glück oder immenses Risiko erzielt wurden.

Welche Methode wofür? – ein kurzes Fazit

Wir haben viel Theorie gewälzt, kommen wir auf den Punkt: Welche Renditemethode eignet sich in welchem Kontext, und wo lauern Irrwege?

  • Einfache Rendite: Gut für einfache Fälle ohne Zwischenzahlungen oder als grober erster Eindruck. Sehr leicht zu verstehen („x € wurden zu y €“). Irreführend, sobald Cashflows im Spiel sind oder der Zeitraum >1 Jahr ist – dann bitte auf CAGR umsteigen.
  • Geldgewichtete Rendite (IRR/XIRR): Die richtige Wahl, wenn Sie Ihre persönliche Rendite wissen wollen. Perfekt für die Frage: „Wie gut war meine Anlage für mich*?“. Zu verwenden bei *individuellen Depots, bei denen Ein- und Auszahlungen eine Rolle spielen (Sparplan, Entnahmen, Umschichtungen). Achtung: Nicht geeignet, um sich damit vor anderen zu brüsten, ohne Kontext – Ihre 5 % IRR können schlechter oder besser als 5 % woanders sein, je nach Risikoumfeld. Und nicht geeignet, um damit direkt gegen Indexrenditen zu halten, denn der Index hat keine IRR (außer man simuliert eine). IRR kann auch mathematische Tücken haben: Bei bestimmten Cashflow-Mustern kann es mehrere Lösungen geben – in Praxis selten, aber in sehr wechselhaften Depots möglich.
  • Zeitgewichtete Rendite (TWR/TTWROR): Die richtige Wahl, um die Performance einer Strategie oder eines Portfolios an sich zu messen. Unverzichtbar für Vergleiche: Gegen einen Benchmark, zwischen verschiedenen Portfolios, zwischen Fonds. Branchenstandard für publizierte Performancezahlen. Sollte genutzt werden, wenn Sie wissen wollen: „Hätte ich mein Geld kontinuierlich investiert gelassen, was wäre rausgekommen?“ – sprich zur Bewertung der Anlageentscheidung an sich, losgelöst vom Timing. TWR ist komplexer zu rechnen, aber zum Glück übernehmen das Computersysteme und Tools. Irreführend kann TWR sein, wenn man fälschlich annimmt, es sei auch das, was man persönlich verdient hat – bei stark schwankenden Einzahlungen stimmt das nicht unbedingt mit dem Gefühl überein (siehe Anleger, die durch schlechtes Timing trotz guter TWR Verlust machen).
  • CAGR (jährliche Durchschnittsrendite): Nutzen für langfristige Beurteilungen. Immer dann, wenn Sie „pro Jahr“ angeben wollen, obwohl der Zeitraum länger ist, ist CAGR das Mittel der Wahl. Irreführend wäre es, stattdessen einfach die Jahresrenditen zu mitteln oder Gesamtgewinn durch Jahre zu teilen – wegen Zinseszins-Effekt falsch. CAGR liefert eine faire, zeitbereinigte Kennzahl, die Anleger gern z.B. für die Planung der Vermögensentwicklung heranziehen („mein Depot hat letzten 10 Jahren ~7 % p.a. geschafft“).
  • Risikoanpassung: Vergessen Sie nicht, Renditen immer auch im Lichte des Risikos zu sehen. Hierfür Sharpe Ratio & Co. nutzen. Irreführend wäre es z.B., zwei Renditen zu vergleichen, ohne die unterschiedliche Volatilität zu berücksichtigen (etwa ein Aktien- mit einem Anleiheportfolio). Oft hilft schon der gesunde Menschenverstand: Wenn etwas deutlich mehr Rendite gebracht hat, fragen Sie „wie viel mehr Risiko war dafür nötig?“.